02-2022 – Tinnitus Awareness Week 2022 – Veranstaltung der Österreichischen Tinnitus-Liga

Zusammenfassung von Marion Weiser

TINNITUS AWARENESS WEEK 2022

Anfang Februar findet alljährlich, weltweit die Tinnitus Awareness Week statt.
In diesem Rahmen bot die Österreichische Tinnitus-Liga heuer zwei Online-Events an.

Das Thema lautete: TINNITUS – Was hilft?

 

Donnerstag, 10. Februar 2022

  • Referentin: Mag. Martina Mayrhofer
  • Klinische Gesundheitspsychologin, Linz
  • www.weg-ziel.at

Thema: Stressmanagement bei Tinnitus und Erschöpfung

Tinnitus in Verbindung mit Stress. Lt. Selye, 1981, ist Stress eine Aktivierungsreaktion (Alarmreaktion / Widerstandphase / Erschöpfungsphase / Regenerationsphase).
Über die persönliche Bewertung des Ereignisses und die Überprüfung der Ressourcen, kommt man zur Schlussfolgerung, ob die Situation zu bewältigen sei.

Das transaktionale Stressmodell von Lazarus, 1999, erklärt, warum uns etwas stresst:
* Primäre Bewertung: Einschätzung des Ereignisses: gefährlich und/oder bedrohlich
* Sekundäre Bewertung: Einschätzung der Ressourcen

Martina unterschied zwischen „externe Stressoren“ zB Zeitdruck, Lärm Verpflichtungen usw. und „internen Stressoren“ zB Perfektionismus, Versagensängste usw.
Bzgl. Perfektionismus stellte sie uns die Frage, ob wirklich immer 100% notwendig sind oder reichen auch immer wieder mal 80%?

Die drei Säulen des Stressmanagements:

1. Säule: kurzfristige Erleichterung schafft wieder Handlungsfähigkeit
Mit unterschiedlichen kleinen Schritten wird versucht, wieder in die Entspannung zu kommen (z.B. Atemübungen usw.)

2. Säule: Abbau / Reduktion der Stressoren
Hier ist es wichtig, den Ist-Zustand zu überprüfen, Lösungen zu finden und diese dann auch umzusetzen.
Veränderung erfordert Zeit und Ausdauer!

3. Säule: Abbau / Ressourcen stärken
In sich hineinhören und wahrnehmen, was Kraft gibt. Sei es Bewegung, Gedankenmuster ändern, Beziehungen oder Entspannungstechniken. Diese Quellen dann kontinuierlich stärken.

Auch positiver Stress kann erschöpfend sein. Wichtig ist immer, dass die Ressourcen wieder aufgetankt werden und die Qualitäten des Entspannens und Regenerierens gestärkt werden. D.h. auch die Ruhephasen genießen und die Aufmerksamkeit auf etwas Angenehmes lenken.


  • Referentin: DDr. Elisabeth Schwarz
  • Zahn- & CMD-Medizinerin, Gmunden
  • doktor-schwarz.eu

Thema: Tinnitus aus zahnärztlicher Sicht

CMD – Craniomandibuläre Dysfunktion (Störung des Kausystems)
20 % der CMD-Patienten haben Tinnitus. CMD kann auch ohne Schmerzen auftreten.

* Was gehört alles zur CMD?
* Fehlfunktion der Kiefergelenke
* Geräusch beim Beißen / falsche Kieferlage
* Fehlerhafte Bisslage, Beziehung / Lage des Unterkiefers

Wie wird CMD analysiert:
* Analyse der Körper- und Kopfhaltung
* Aufzeichnung über die Bewegung des Kiefers
* Bissnahme zB bei verschobenem Unterkiefer
* Bestimmung der neuen Bisslage, Veränderung der Bisssituation / harmonische Beziehung zwischen Ober und Unterkiefer

Eine Aqualizer-Schiene kann eine erste Hilfe sein. Sie gleicht die Höhe der Kiefer aus.

Eine Repositions-Schiene bewirkt eine mechanische, dreidimensionale Veränderung. Das Kiefergelenk bekommt Platz zum Bewegen, die Muskeln entspannen sich und Schmerzfreiheit kann erfolgen.

Knirscher-Schiene wird in der Nacht bei Zähneknirschen verwendet und so werden die Zähne geschützt. Zähne sind das härteste Material was wir haben.

Die möglichen Ursachen und die Anamnese für CMD sind komplex.

Tinnitus braucht viele unterstützende Dinge:
Psychotherapie, Zahnarzt, Osteopath, Massagen, Entspannungstechniken

 


  • Referentinnen:
  • Angelika Nebl / Birgit Laux-Flajs
  • Petra Kaiblinger / Katrin Kieweg
  • Doris Schüchner / Martina Hack-Weinberger
  • Verein vonOHRzuOHR, Linz
  • www.vonohrzuohr.or.at

Thema: Hören heißt dazugehHÖREN

Tinnitus soll nicht als Feind bewertet werden. Tinnitus kann ein Alarmsignal für Schwerhörigkeit, Muskelverspannungen, Kieferprobleme oder Stress sein.

Der Verein vonOHRzuOHR bietet verschiedene Entspannungstechniken an, um mit dem Ohrgeräusch besser umgehen zu können:

Klangschalen-Massagen: Für Tinnitus-Betroffene und Schwerhörige
Benaudira: Individuell, angepasstes Hörtraining, wodurch das Hörzentrum stimuliert wird
Liebevolle Zwiesprache: Heilsamer Umgang mit belastenden Gefühlen – Körperorientierte Gesprächs- & Trauma-Therapie
Strömen: Eigenständige physio-energetische Behandlungsmethode
Bioptron: Medizinisches Lichtmassagegerät – wirkt regenerierend und stimmungsaufhellend

Diese Angebote werden den Tinnitus-Betroffenen und Schwerhörigen kostenlos zur Verfügung gestellt. Es gibt Regelungen bzgl. Berufstätigkeit und Alter. Bitte informiere dich diesbezüglich direkt beim Verein vonOHRzuOHR.

Die Tinnitus-Selbsthilfegruppe Linz ist in den Räumlichkeiten des Vereins, Wienerstraße 131 – 4020 Linz, eingebunden.

Der Verein vonOHRzuOHR ist ein Projekt unterstützt vom Sozialministeriumservice Landesstelle OÖ.


  • Referentin: Marion Weiser
  • Holistische Körpertherapeutin, Finanzreferentin der Österr. Tinnitus-Liga
  • www.marion-weiser.at

Entspannende Körperarbeit bei Tinnitus

Jeder erlebt Tinnitus anders und somit sind die Ohrgeräusche auch unterschiedlich intensiv, vielfältig und mehr oder weniger belastend.

Es gab mehrere Gründe, warum ich mich auf das Thema Tinnitus vor über 20 Jahre spezialisiert hatte.
Die beiden Aussagen: „Da kann man nichts machen.“ und „Den Tinnitus muss man sich behalten“ waren Teil meiner Motivation.

Es gibt einiges, was wir selber bei Tinnitus tun können:
* Achtsamer Umgang mit der Haltung (Schnellentspannungs-Übung: Würdevolles Entschleunigen Link)
* Entspannungsniveau erhöhen
* Kau- & Kieferbereich abklären lassen (CMD)
* Regenerationsfähigkeit steigern,
* HNO, zahnärztliche & psychologische Unterstützung anfordern.

Das Zauberwort in Verbindung mit Tinnitus lautet: ZU VIEL

Die drei dazugehörigen Stress-Typen lauten:
1. Emotionaler Stress-Typ – Belastungen, Sorgen, Ängste, Schwere, Erschöpfung, Burnout, Druck, Enge
2. Mentaler Stress-Typ – Voller Kopf, Hamsterrad, Perfektionismus, Vergleichen, Unentschlossenheit usw.
3. Physischer Stress-Typ – Unter Strom stehen, Funktionsmodus, Getrieben sein, Wut, regeneriert schlecht

Zum Hören gehört auch ein achtsamer Umgang auf die Sprache – Gift in der Sprache:
* Die Wörter Muss & Schnell vermeiden (MUSS- bzw. SCHNELL-Fasten)
* JUS-Menschen vermeiden (Menschen, die jammern und sudern)
* Die Selbstkritik reduzieren (sich selber runter machen)

Übungen:
Schnellentspannungs-Übung: Würdevolles Entschleunigen Link
Kinnlade Bewegen
Sich selber loben
Spiegel-Check
Ohr-Meditation Link


Die Linzer Tinnitus-Selbsthilfegruppen stellen sich vor:

  • Jolanda Mayr
  • Tinnitus Selbsthilfegruppenleiterin Linz 
  • Treffen: 1 x im Monat jeweils mittwochs, 17:30 Uhr
    Ort: Verein vonOHRzuOHR, Wiener Straße 131, Eingang C, 2.Stock, 4020 Linz
  • www.oetl.at
  • Referentin: Brigitte Winkelbauer
  • Tinnitus Selbsthilfegruppenleiterin Linz-Zentrum
  • Treffen: 1 x im Monat jeweils donnerstags (alternativ mittwochs), 18:30 Uhr
    Ort: Gesundheitspark Ordensklinikum Linz, 1. Stock/Seminarzentrum, Herrenstraße 54, 4020 Linz
  • www.oetl.at

Brigitte wird am 9. März 2022 die neue Tinnitus Selbsthilfegruppe Linz-Zentrum eröffnen.

Sie hatte vor vielen Jahren schon sehr gute Erfahrungen mit der damaligen SHG gemacht und möchte ihre Erfahrungen gerne mit Betroffenen teilen und weitergeben. Sie möchte einen Rahmen bieten, in dem man sich austauschen und unterstützen kann. In einer Gruppe von Gleichgesinnten geht es einem gleich viel besser, meinte sie.

Die Treffen finden im Gesundheitspark des Ordensklinikums BHS statt. Es wird ersucht, sich unbedingt per Mail für die Treffen anzumelden: Brigitte Winkelbauer bwinkelbauer3@gmail.com



Freitag, 11. Februar 2022

  • Referentin: Dr. Katrin Baumbusch
  • HNO-Fachärztin, Phoniaterin, Universitätsklinik für Hör-,
    Stimm- und Sprachstörungen, Innsbruck
  • k.baumbusch@tirol-kliniken.at

Thema: Medizinische Grundlagen von Tinnitus

Frau Dr. Baumbusch erklärte uns, wie das Hören grundsätzlich funktioniert und, dass es durch einen Tinnitus zu Aufmerksamkeitsfokussierungen kommen kann. Das wiederum schränkt nicht nur das Hören an und für sich ein, sondern es kommt auch zu Veränderungen in den limbischen Gehirnarealen sowie zu emotionalen Belastungen.

In einer Statistik zeigte sie, dass derzeit in Österreich ca. 1,5 Mio. Menschen von Tinnitus betroffen sind und bei 40.000 ist das Ohrgeräusch chronifiziert.

Eine Anamnese sollte eine HNO Untersuchung genauso beinhalten, wie eine Audiometrie mit Tinnitus-Bestimmung, Fragebogen zur Tinnitus-Belastung und ev. Abklärung durch physikalische Medizin (Schulter, Nacken Kiefer usw.).

Interessant waren auch die drei Schweregrade bei Tinnitus:

* Grad 1: Der Tinnitus bietet keinen Leidensdruck
* Grad 2: Der Tinnitus tritt bei Stille, Stress usw. auf und wirkt störend
* Grad 3: Der Tinnitus stört dauernd und führt zu Beeinträchtigungen
* Grad 4: Der Tinnitus liefert einen extremen Leidensdruck und führt u.a. zu Berufsunfähigkeit

Empfehlung: Entspannungstraining und psychologische Begleitung, Stärkung der Ressourcen, Hörfiltertraining


  • Referent: PD Dr. Roland Moschèn
  • Klinischer Psychologe und Psychotherapeut, Universitätsklinik für Psychiatrie II,
    Präsident der Österreichischen Tinnitus-Liga (ÖTL), Innsbruck
  • info@oetl.at

Thema: Psychologische Aspekte bei akutem und chronischem Tinnitus 

Unser Präsident der Österreichischen Tinnitus-Liga

Wodurch der Gewöhnungseffekt des Ohrgeräusches verhindert werden kann:
* krankmachende Bewertungen
* Aufmerksamkeitsfokussierung
* Verspannungen
* Mangelnde Bewältigungsstrategien

Nachstehende Faktoren können einen Einfluss auf den Tinnitus haben:
* Hörstörungen / Hyperakusis / Somatoforme Störungen / Schwindel aber auch
* Stress und Erschöpfungszustände

Psychologische Ansätze bei chronischem Tinnitus:
* Kognitive Verhaltenstherapie (Einzelsitzungen, Tinnitus-Bewältigungsgruppen, Selbsthilfeprogramme usw.)
* Psychodynamischse Verfahren (Einzelfallstudien)
* Musiktherapie
Ziel ist es, sich dem Ohrgeräusch gelassener nähern zu können.

Kernstück der psychologischen Tinnitus-Behandlung:
* Informationsvermittlung
* Veränderung der destruktiven Gedanken
* Entspannungstechniken
* Kontrolle der Aufmerksamkeit
* Stärkende Aktivitäten forcieren

Roland ließ uns mit unzähligen Beispielen in die Welt der psychologischen Zugänge blicken.


  • Referentin: Dr. Ev Wieser
  • Klinische & Gesundheitspsychologin, Akademisch zertifizierte Schlafcoachin
    (Med. Uni Wien), KVT-I (Freiburg), Universitätsklinik für Hör-,
    Stimm- und Sprachstörungen, Innsbruck
  • ev.wieser@tirol-kliniken.at


Thema: Schlafstörungen bei Tinnitus 

Frau Dr. Wieser tauchte mit uns in die Welt der Schlafstörungen ein. Dabei erfuhren wir, dass ca. 2 Mio. ÖsterreicherInnen an Ein- bzw. Durchschlafstörungen leiden. Schlafstörungen treten bei 25 % – 75 % der Tinnitus-Betroffenen auf.

Interessant ist, einmal die Schlafstörungs-Spirale zu untersuchen. Welche Gedanken beschäftigen mich? Was sind meine Abendroutinen? Wie wirkt sich das schlechte Schlafen auf mein Leben aus? Was kann ich auf der körperlichen / emotionalen Ebene wahrnehmen?

Wir erfuhren, wie der Schlafprozess funktioniert und welche Areale im Gehirn damit verbunden sind (Melatonin-Ausschüttung usw.)
Interessant war auch, dass die „Lerchen“ und „Eulen“ tatsächlich unterschiedliche Energie- & Konzentrationswellen aufwiesen. Weiter ging es mit den vier Schlafphasen (Einschlafphase, leichter Schlaf, Tief-Schlaf, Traumschlaf)

Während des Schlafes regenerieren wir, stärken unser Immunsystem, Wissen und Erfahrungen werden gespeichert u.v.m.

Aufgrund von Schlafmangel kann es u.a. auch zu Bluthochdruck, geschwächtem Immunsystem, Erschöpfungszuständen usw. kommen.

Frau Dr. Wieser stellte noch das Schlafcoaching vor und wie diese Methode integriert werden kann.

Die Basic-Tipps waren:
Blaulicht zu reduzieren
Leichtes Essen am Abend
Aufputschmitteln vermeiden (Alkohol, Energiedrinks)
Rauchen und Medikamente vermeiden
Nicht auf den Wecker schauen
Für Ruhe sorgen (getrennte Schlafzimmer, wenn der/die PartnerIn schnarcht) usw.


  • Referentin: Mag. Karin Nail
  • Vorstandsmitglied der Österreichischen Tinnitus-Liga (ÖTL),
    Gruppensprecherin der TINNITUS TIROL Selbsthilfegruppe,
    Vorstandsmitglied der Selbsthilfe Tirol, Innsbruck
  • selbsthilfe@tinnitus.tirol

Thema: Die Tinnitus-Selbsthilfe stellt sich vor 

Karin entführte uns in die Welt der Selbsthilfegruppen. In Österreich gibt es zur Zeit ca. 1700 Selbsthilfegruppen.
Weiters erfuhren die TeilnehmerInnen, dass die Österreichische Tinnitus-Liga schon 30 Jahre lang besteht. Karin wies darauf hin, was der Vereinszweck der ÖTL sowie deren Nutzen für die Betroffenen ist.
Details dazu findest du hier.

Der Benefit einer Selbsthilfegruppe ist einerseits, dass es Gleichgesinnte gibt und dass durch diese Gemeinschaft der Leidensdruck reduziert werden kann und andererseits man Impulse bekommt, selber aktiv zu werden, um in die Eigenverantwortung zu gehen.

Karin schilderte aus ihren Erfahrungen als Leiterin der Tinnitus Selbsthilfegruppe in Innsbruck und es war spürbar, wie gut allen Mitgliedern die Gruppentreffen und die unterschiedlichsten Aktivitäten taten.

Die ÖTL lädt ein, die Angebote der bundesweiten Tinnitus-Selbsthilfegruppen zu nützen. Weitere Infos findest du unter: www.oetl.at


Ich freue mich schon wieder auf Anfang Februar 2023, wenn wieder weltweit die Tinnitus Awareness Week 2023 stattfinden wird. Mal sehen, ob die ÖTL dann ihre Veranstaltungen im Online- oder Präsenz-Format anbieten wird.

Bis demnächst!
Marion

PS: Komm in meine Facebook-Gruppe Tinnitus-HeldInnen Link
Dort finden einmal im Monate Live-Vorträge von mir statt und due erfährst eine Menge zum Thema Tinnitus. 👍

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